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Unsere Hochzeit | Part I

Genau zwei Monate sind heute vergangen und nun endlich finde ich Zeit und vor allem Worte für diesen ganz besonderen Tag in unserem Leben. Wer mir hier ein bisschen gefolgt ist, hat sicherlich schon erste Eindrücke gesehen. Jetzt aber noch mal ganz von vorne…

 

 

 

 

Noch 3 Stunden vor der Trauung bin ich auf dem Holzboden unseres Zeltes gesessen und habe dort versucht die letzte Deko fertig zu machen. Noch bis zur letzten Minute haben Gäste geholfen. Denn leider hat uns das Wetter am Tag davor einen Strich durch die Aufbau-Rechnung gemacht. Ein heftiges Gewitter die Nacht davor hat uns noch schlafloser gemacht, als ohnehin schon. Aus Sorge, die Deko würde die Nacht nicht überstehen, haben wir den Großteil wieder abgebaut. Was uns natürlich den Plan für den Hochzeitsmorgen völlig durcheinander gebracht hat. Zum Glück waren alle Helfer pünktlich zur Stelle und konnten mich rechtzeitig ablösen, damit ich mich bereit machen konnte.

 

 

 

 

Meine Hände haben die Tage davor sehr gelitten. So ist das eben, wenn man viel selbst macht… Daher gab es ganz nebenbei ein schnelles Zitronenbad und eine Maniküre von der besten Trauzeugin. Diesen Morgen werde ich nie wieder vergessen. Aufregung. Völliges Überdrehtsein. Gelächter. Gewusel. Eine Fotografin, die mal eben noch den Brautstrauß pimpt. Meine Mama, die daneben Rosenblätter abzupft, die sie noch schnell im Garten geholt hat… und ich werde irgendwie immer ruhiger. Wage immer wieder einen kurzen Blick in den Himmel, bis mir irgendwann bewusst wird: die Hochzeit kann stattfinden. Wie geplant. Unter freiem Himmel.

 

 

 

 

Auf den nicht einmal 200 Metern zur Location begegne ich noch dem einen oder anderen Hochzeitsgast, der sich noch im letzten Moment auf den Weg macht.

 

Und dann sehe ich meinen Papa. Er wartet auf mich an der Bushaltestelle. Die Aufregung sehe ich direkt. Was ich als erstes gesagt habe, weiß ich nicht mehr. Mir schlägt das Herz bis zum Hals. Wir laufen gemeinsam bis zu der Stelle, an der man uns noch nicht sehen kann. Warten, bis alle ihr Plätze eingenommen haben. Umarmen uns noch einmal und dann hören wir die ersten Töne von Enyas May it be. Das ist das Zeichen. Wir laufen los. „Schön langsam“, Flüstert mir der Papa noch zu.

 

 

 

 

Als wir den Mittelgang erreichen überschlagen sich meine Gefühle. Ich blicke in die Gesichter all derer Menschen, die uns bis zu diesem Punkt im Leben begleitet haben. Die uns wichtig sind. Zum ersten Mal sehe ich auch, was alle Helfer geleistet haben und aus einer Wiese einen festlichen Trauort gezaubert haben. Stoffbänder wehen im Wind. May it be your journey on.
To light the day… singt Enya. Und dann sehe ich ihn. Wie er da vorne steht. Meinen Mann.

 

 

 

 

 

 

Wir schauen uns immer wieder an. Grinsen und können es beide kaum glauben, was da gerade passiert. Dass hinter uns fast alle Gäste in der Sonne sitzen, merken wir nicht. Nur ganz kurz wandert mein Blick immer wieder in den Himmel, der sich immer mehr zuzieht. Doch den Pfarrer bringt das nicht aus der Ruhe.

 

 

Nach der Trauansprache sind wir dran. Sagen beide JA und dann ist auch schon der Moment gekommen, vor dem ich ein bisschen Respekt hatte. Die eigenen Worte. Er beginnt. Dann bin ich dran. Nehme gerade mein Blatt in die Hand: Platsch! Ein fetter Regentropfen mittendrauf. Ich fange dennoch an. Nach ein paar Zeilen merke ich, meine Stimme wird immer dünner. Tränen steigen mir in die Augen. Ob ich das durchhalte bis zum Schluss? Doch dann fängt es immer heftiger an zu regnen. Ich rede immer schneller. Die ersten Gäste flüchten sich schon unter die umstehenden Bäume. Die Trauzeugin hält über uns einen Regenschirm. Doch das alles bemerke ich gar nicht. Als ich es bis zu meinem letzten Satz geschafft habe blicke ich auf.

 

 

Wir schauen uns an. Haben uns gesagt, was wir uns sagen wollten. Haben ja gesagt. Und noch so viel mehr.

 

 

 

 

 

Dann gibt es kein Halten mehr. Alle rennen durcheinander und davon. Unter Bäume und in das Zelt. Halten schützend ihre Taschen oder die Liederhefte über den Kopf. Doch keine Spur von schlechter Laune. Alle Lachen. Haben Spaß. Freuen sich über die Abkühlung.

 

 

 

 

 

 

Auch uns verdirbt der plötzliche Regenschauer nicht die Laune. Der wichtige Teil hat stattgefunden. Wunderbar. Weiter geht’s! Mit Plan B. Der so nie geplant war. „Los! Im Zelt machen wir einfach weiter“, höre ich. Genau. Das Zelt. „Die beste Investition.“, meint auch der Pfarrer, der mittlerweile klitschnass ist.

 

 

 

 

Und dann kommt der Teil der Hochzeit, den man schöner nicht hätte Planen können. Auf die Schnelle kann das Mikro nicht angeschlossen werden. Also sind alle ganz still, als Ami, unsere Sängerin ganz leise Hallelujah anstimmt. Dann Gitarrenklänge dazu – ebenfalls unplugged. Beim Refrain stimmen fast alle mit ein. Summen mit. Bewegen sich zur Melodie. Alle stehen. Die Stimmung ist unbeschreiblich. Wir stehen vorne und können nicht mehr. So viel Emotionen in einem Zelt mit 90 Menschen.

 

 

 

 

 

 

Nach dem Segen und dem Schlusswort des Pfarrers bildet sich direkt eine Schlange und wir umarmen einen nach dem Anderen. Ein richtiger Auszug fehlt leider. Aber das ist nicht weiter schlimm. Während wir die Glückwünsche entgegen nehmen, werden die Stühle von den Gästen ins Zelt getragen. Abgewischt und mit Sitzkissen an die Tische gestellt. Das passiert ganz von alleine nebenbei und keiner ist sich zu fein dafür.

 

 

 

 

 

Das wirklich tolle: alle sind ausgelassen. Keiner sorgt sich um seine Frisur, oder den Anzug. Alle strahlen mit einem Glas Sekt in der Hand und stoßen mit uns an. Und dann kommt tatsächlich die Sonne wieder raus.

 

 

 

 

 

 

Als uns erneut ein Schauer überrascht werden kurzerhand die Planken für das Kuchenbuffet von draußen nach drinnen getragen. Jeder hilft mit. Kaffeetassen werden abgetrocknet. Die Kuchen aufgebaut und die Party konnte beginnen.

 

 

 

 

 

Der Anschnitt der Torte ging plötzlich so schnell (alle hatten Tortenhunger) dass ich im ersten Moment den Brauch mit der Hand oben vergessen habe. Doch dann riefen mir alle zu und machten wilde Gesten – bis ich verstand und grade noch so – die Hand oben hatte. Man könnte eine Bildergeschichte daraus machen. Ha!

 

 

 

 

 

Den Brautstrauß hat am Ende – wie sollte es anders sein – meine Trauzeugin Jule gefangen. Obwohl gefangen hat sie ihn nicht gerade… sagen wir so: sie hatte ihn am Ende in der Hand. Der hat aber auch einfach zu gut zu ihrem Kleid gepasst!

 

 

 

 

 

 

 

Den Nachmittag nutzen viele, um sich auf der Burgruine umzusehen. Klettern hinauf. Unterhalten sich und trinken eiskalten Rosé. Auch die Kinder hatten ihren Spaß, während wir uns mal kurz ausgeklinkt haben, um ein paar Bilder zu machen, als sich die Sonne dann wieder zeigte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Minuten alleine (gut mit Fotografin und Trauzeugin…) waren wunderbar und auch unbedingt notwendig. Ein paar Minuten genießen, bevor wir uns wieder unter die Leute mischten. Gut, so ganz romantisch wie das hier aussieht war es vielleicht nicht ganz. Die Schwierigkeit durch den Matsch mit dem langen Kleid und in das Weizenfeld rein… You get me!

 

 

 

 

 

Den Spaß haben wir uns aber nicht nehmen lassen. Danach war dann sowieso alles egal. Wir nannten das Kleid von da an Ombré und ich zog das nasse Teil einfach hinter mir her, als müsste das so sein. Beim Tanzen gestört hat es jedenfalls nicht. Und das ist ja die Hauptsache!

 

 

 

 

 

Getanzt wurde nämlich sehr viel. Von jung bis alt. Eine tolle Party! Hören wir heute noch von unseren Gästen. Nicht nur unsere Gäste, auch wir werden diesen verrückten Tag mit all den Emotionen, netten Gesten, lieben Worten und jeder Menge guter Laune niemals vergessen.

 

Vielen Dank!

 

 

Fotos: Sarina Kullmann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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